Griff in die Geschichte (12)

Salomon Heine zum 250. Geburtstag

 

Der Bankier Salomon Heine (Oktober 1767 bis Dezember 1844) war einer der angesehensten Einwohner Hamburgs. Er war eine beeindruckende Persönlichkeit in der Finanz- und Kulturwelt; er zeichnete sich aus durch unternehmerisches Augenmaß, kluge Besonnenheit, geschäftlichen Scharfsinn, weitreichende Firmenkontakte, marktstrategisches Handeln und menschliche Großherzigkeit. Heine war einer der wohlhabendsten Männer der Stadt, großzügiger Wohltäter und prominenter Vertreter der jüdischen Bevölkerung.

Zusammen mit einem weiteren jüdischen Bankier gründete er 1797 das Bankhaus Heckscher und Co., das seit 1818 als Bankhaus Salomon Heine firmierte und bis 1865 bestand. Heines Bankhaus war eines von mehreren in Hamburg; das ebenfalls jüdische Bankhaus M.M. Warburg aus Heines Zeit besteht auch heute noch, es ist mittlerweile eines der größten Privatbanken Deutschlands.

Die Hamburger Banken waren lebenswichtig für die Stadt. Sie befassten sich in erster Linie mit der Finanzierung des Außenhandels, Wechsel und Devisen waren ihr Geschäft. Heine war einer der wichtigsten Finanziers der Hamburger Wirtschaft.

Salomon Heine unterstützte nicht nur seinen Dichterneffen Heinrich Heine, sondern auch weitere Mitglieder der verzweigten Familie Heine sowie Künstler und Wissenschaftler. Sein detailliertes Testament bedachte nicht nur seine Angehörigen sondern auch Angestellte und Bedürftige.

1841 finanzierte er den Bau des Israelitischen Krankenhauses, das er zum Andenken an seine verstorbene Ehefrau errichten ließ. Hier wurden Patienten jeglicher Konfession aufgenommen, verarmte jüdische Kranke wurden umsonst behandelt. 1939 wurde das Gebäude von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Heines Krankenhaus ist heute das Ortsamt St. Pauli.

Nach dem großen Brand von 1842, in dem mehr als 25 Prozent Hamburgs durch die Katastrophe vernichtet wurden, beteiligte sich Heine mit privaten Mitteln am Wiederaufbau der zerstörten Stadt. Um die Feuersbrunst einzudämmen, hatte Salomon Heine sogar sein Stadthaus sprengen lassen, anschließend verzichtete er auch noch auf die ihm zustehende Versicherungssumme. In großzügiger Weise half den Opfern der Katastrophe und ließ auf seine Kosten auch christliche Kirchen wieder erbauen.

Obgleich er großes Ansehen genoss, viel für Hamburg tat und zahlreiche Menschen unterstützte, wurde ihm keine offizielle Auszeichnung oder Anerkennung durch die Stadt zuteil. Zwar verlieh ihm die Patriotische Gesellschaft 1843 ihre Ehrenmitgliedschaft, Heine wurde aber nicht als vollwertiges Mitglied aufgenommen. Sein Judentum stand dagegen.

Juden gab es in Hamburg schon seit Ende des 16. Jahrhunderts.  Ende des 18. Jahrhunderts zählte man etwa 6100 jüdische Bewohner. Gelegentlich gab es Ausschreitungen, so tobten in den 1830er Jahren mehrfach antisemitische Krawalle in der Stadt, in denen auch das Bankhaus Heine angegriffen wurde. Antijüdische Unruhen kamen der Politik nicht selten gelegen, um Zugeständnisse an die jüdische Minderheit zu verhindern.

Während der französischen Besatzung (1806 bis 1814) wurde den Juden der Stadt bürgerliche Rechte zuerkannt, allerdings wurde sie nach 1815 zurückgenommen. Erst 1849 erhielten die jüdischen Einwohner ihre rechtliche Gleichstellung.

Obwohl Salomon Heine als finanzkräftiger Bankier und geschätzter Mäzen geachtet war, hatte er jedoch als Jude keine Bürgerrechte. Daher wurde er aus bestimmten Vereinigungen ausgeschlossen. Offenbar kultiviert und hofiert von Vielen in der Stadt, gesellschaftlich und wirtschaftlich bedeutend, war er doch immer noch der Jude und nicht ganz akzeptiert.

  

Quellen und Literatur zum Thema in der VHG-Bibliothek:

Beate Borowka-Clausberg (Hg.), Salomon Heine in Hamburg – Geschäft und Gemeinsinn. Göttingen 2013.
A.XIV.2/0629

Salomon Heine in seiner Zeit. Gedenkrede zu seinem 200. Geburtstag. Von Senator Gerhard F. Kramer und Erich Lüth. Hg. vom Verein für Hamburgische Geschichte. Hamburg 1968 (= Vorträge und Aufsätze, Heft 16).
A.1.2./A12.185D.H16

Susanne Wiborg, Salomon Heine. Hamburgs Rothschild – Heinrichs Onkel. Hamburg 1994. 
A.XIV.2/631

Dies. und Jan Peter, Salomon Heine. Hamburg o.J. (= Hamburger Köpfe).
A.XIV.2/0001

Syliva Steckmest, Salomon Heine – Bankier, Mäzen und Menschenfreund. Die Biographie eines großen Hamburgers. Hamburg 2017.
A.XIV.2/0632

Institut für Geschichte der deutschen Juden (Hg.), Das jüdische Hamburg – ein historisches Nachschlagewerk. Göttingen 2006.
A.XII.7/15

Günter Marwedel, Geschichte der Juden in Hamburg, Altona und Wandsbek. Hamburg 1982 (= Vorträge und Aufsätze, Heft 25).
A.1.2/185D.H25

Vierhundert Jahre Juden in Hamburg – Eine Ausstellung des Museums für Hamburger Geschichte vom 8. November 1991 bis 29. März 1992. Hamburg 1991.
A.XII.7/11

Bruno Dorschewski, Hamburgs Baudenkmäler aus der Zeit vor und nach dem Großen Brand 1842 – Stadtspaziergänge. Hamburg 2001.
A.IX.1/101

Claudia Horbas und Ortwin Pelc (Hg.), Es brannte an allen Ecken zugleich – Hamburg 1842. Hamburg 2002/2003.
A.III.4.f/7

Evi Jung-Köhler, Verlust und Chance. Hamburg 1842. Stadtmodernisierung beim Wiederaufbau nach dem Großen Brand. Hamburg 1991.
A.I.2/184D

  

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