Griff in die Geschichte

Internationale Gartenbauausstellungen (IGA) 1953, 1963 und 1973 in Hamburg

Von Rüdiger Buchholtz

2013 fand in Hamburg-Wilhelmsburg die Internationale Gartenschau statt. Hamburg kann dabei auf eine lange Tradition von Gartenschauen zurückblicken, wie der Landschaftsarchitekt  Gustav Allinger in einem Sonderdruck der Zeitschrift Gartenwelt anlässlich der IGA 1963 skizziert. Bereits 1836 fand die erste lokale Ausstellung statt. Größere Bedeutung erreichte die Hansestadt dann mit der „Internationalen Gartenbau-Ausstellung zu Hamburg“ 1896. Im Zuge der Niederdeutschen Gartenschau 1935, die einerseits die Aufgabe hatte die Blut und Boden-Ideologie der Nationalsozialisten zu transportieren, andererseits aber auch Hamburgs Rolle als „Tor zur Welt“ zu unterstreichen, entstand „Planten un Blomen“. Dieser Park wurde zum Kerngelände der IGA von 1953 bis 1973, wobei jeweils Umgestaltungen und räumliche Erweiterungen stattfanden. Auch nach Kriegsende beeinflussten politische Vorgänge die Gestaltung der Gartenschauen. Bis Anfang der fünfziger Jahre hatten bereits einige größere und kleinere Gartenschauen in Ost- und Westdeutschland stattgefunden, die zum Teil von der beginnenden Systemkonkurrenz mitgeprägt waren. Die Gartenbauausstellungen in Ost und West sollten dazu dienen, neue Handelskontakte aufzubauen, eine bessere Versorgung der Bevölkerung mit Obst und Gemüse zu befördern und den Wiederaufbau der zerstörten Städte voranzutreiben.

Die Geschichte der IGA in Hamburg wird in der kürzlich erschienen Dissertation von VHG-Mitglied Kristina Vagt in den Kontext des Ost-West-Konflikts eingeordnet. In zeitlicher Nähe zu den IGA in Hamburg fanden auch bedeutende Gartenschauen in Erfurt statt, die ab 1961 unter dem Namen „Internationale Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder“ (iga) firmierten und die Leistungsfähigkeit der sozialistischen Agrarpolitik betonten. Der erwähnte Gustav Allinger, in der NS-Zeit als Präsident an der Gleichschaltung der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst beteiligt, gestaltete bereits 1945 und 1946 die ersten lokalen Ausstellungen in Erfurt. Die Gartenbauausstellungen in Erfurt konnten ebenfalls an ältere Traditionen anknüpfen, darunter auch die Planungen zu einer nicht realisierten Reichsgartenschau 1942. Die IGA 1953 wurde als „völkerverbindendes Ereignis“ thematisiert und sollte Hamburgs Bekanntheit für den Tourismus steigern. Die Integration von moderner Kunst in die IGA stellte dabei einen Gegenentwurf zur Niederdeutschen Gartenschau von 1935 dar. Durfte auf der IGA 53 zwar die DDR als Staat nicht präsent sein, so waren aber zumindest noch einzelne Gartenbaubetriebe aus der DDR beteiligt. Die IGA 1963 hingegen stand unter dem Eindruck des Mauerbaus: Die sozialistischen Staaten wurden nicht eingeladen und die deutsche Teilung thematisiert. Die Entspannungspolitik seit Ende der sechziger Jahre schlug sich dann auch in der IGA 1973 nieder, die DDR durfte erstmals offiziell teilnehmen. Freizeitkultur und Umweltpolitik waren nun wichtige Themen, Hamburg sollte als Kongressstadt international profiliert werden. Hierfür wurde mit der Kunstfigur „Käpt'n Blume“, die sowohl als Zeichnung wie auch als reale Person, verkörpert durch den Hamburger Shanty Sänger Carl Bay, existierte, auch in der Werbung neue Wege beschritten. 

Wer sich über die konkrete Ausgestaltung der IGA in Hamburg anhand von Übersichtsplänen, Fotos und Beschreibungen der Gärten informieren möchte, der sei auf die nachfolgend genannten Quellen verwiesen sowie auf die Dissertation von Kristina Vagt.

 

Quellen und Literatur zum Thema in der VHG-Bibliothek:

Allinger, Gustav: Im Weltgarten zu Hamburg 1963 und erster Rundgang durch die IGA 63. Sonderdruck aus: Zentralblatt für den deutschen Erwerbsgartenbau 25.4. und 2.5.1963. (Signatur A. VI. 4/004)

Ders.: Über frühere Gartenschauen in Hamburg und Altona. Sonderdruck aus: Gartenwelt. Illustrierte Fachzeitschrift (1963), S. 142 – 145. (Signatur A. VI. 4/004)

Hanisch, Karl Heinz: Internationale Gartenbauausstellung Hamburg 1963. Hrsg. von Karl Passarge. Hamburg 1963. (Signatur: A. II. 5 / 161)

Oetzmann, Dirk: Die Hamburger Schmalspurbahnen. IGA- und Parkbahnen, Ottensener und Wandsbeker Industriebahnen, Trümmerbahnen, Feldbahnen und andere. Hamburg 2010. (Signatur: A. VI. 6 / 70)

Vagt, Kristina: „Käpt'n Blume lädt Euch alle herzlich ein...“. Die Inszenierung Hamburgs auf der Internationalen Gartenbauausstellung 1973. In: 19 Tage in Hamburg: Ereignisse und Entwicklungen der Stadtgeschichte seit den fünfziger Jahren. Hrsg. von der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg. Hamburg 2012, S. 174-186. (Signatur: A. III. 4i / 056)

Dies.: Politik durch die Blume: Gartenbauausstellungen in Hamburg und Erfurt im Kalten Krieg (1950-1974). Hamburg 2013.

Wegweiser Internationale Gartenbauausstellung Hamburg 1963; Hamburg 26. April - 13. Oktober 1963 / veranst. von der Freien und Hansestadt Hamburg und dem Zentralverband des Deutschen Gemüse-, Obst- und Gartenbaues e.V. (Signatur: A. II. 5 / 148)

 

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