Griff in die Geschichte

Matthias Claudius – ein Hamburger?

Von Charlotte Wilken

Dieses Jahr wird der zweihundertste Todestag von Matthias Claudius begangen. Matthias Claudius war bereits zu Lebzeiten weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt. Er hätte sich vermutlich nicht als Hamburger gesehen, sondern als Wandsbeker. Wandsbek wurde erst 1937 ein Teil Hamburgs.

Als viertes Kind eines Pastors wurde er 1740 in Reinfeld geboren. Nach einem Studium und einer Tätigkeit als Sekretär 1764/65 kam er nach Wandsbeck und wurde Redakteur der Zeitschrift „Der Wandsbecker Bothe“ (Wandsbek wurde bis 1879 mit „ck“ geschrieben), eine vom damaligen Gutsherrn, Graf Heinrich Carl von Schimmelmann initiierten Tageszeitung. Seine Insignien des wandernden Boten befinden sich heute im Wandsbeker Wappen (Hut, Wanderstock und Tasche).

Der Zeitung war kein langes Leben beschieden, sie erschien nur vier Jahre lang, begründete aber den Ruhm von Claudius. Er blieb Wandsbek treu, mit wenigen Unterbrechungen. Hier heiratete er auch seine Frau Rebecca. Sein Grab und das seiner Frau befinden sich heute auf dem Kirchhof bei der Christuskirche am Wandsbeker Markt. Leider ist der Friedhof größtenteils dem Straßenbau (Ring 2) zum Opfer gefallen.

Die Wandsbeker sind stolz auf Claudius. So wurde 2001 von Bernd Stöcker die Bronzeplastik „Der Ehrensprung“ geschaffen, die auf ein altes Ritual verweist: Den Sprung über eines seiner Kinder bei der Geburt eines neuen Geschwisterchens. In diesem Jahr, anlässlich seines 200. Todestages, wurde neben der Christuskirche ein weiteres Denkmal enthüllt, das Bezug nimmt auf sein berühmtestes Gedicht „Der Mond ist aufgegangen“.

Zu seinem 100. Geburtstag wurde ein Gedenkstein für Matthias Claudius eingeweiht. Die Rede hielt Friedrich Matthias Perthes, der älteste Sohn von Friedrich Christoph Perthes, der 1797 die Tochter von Matthias Claudius, Caroline Isabe, geheiratet hatte. Das literarische Werk von Claudius ist vielfältig, sein berühmter „aufgegangener Mond“ darf nicht den Blick verstellen, dass er sich auch mit gesellschaftlichen Fragen auseinandergesetzt hat, so z. B. der Sklaverei dem Sklavenhandel, durch den sein Gönner, Graf Schimmelmann, reich geworden ist.

Ein Gedicht von Claudius setzt sich z.B. mit der Sklaverei auseinander, es ist wohl das erste Gedicht, das dieses Thema aufgreift. 

Der Schwarze in der Zuckerplantage

Weit von meinem Vaterlande 
Muß ich hier verschmachten und vergehn,
Ohne Trost, in Müh‘ und Schande;
Ohhh die weißen Männer, klug und schön!
Und ich hab den Männern ohn‘ Erbarmen
Nichts getan.
Du im Himmel! Hilf mir armen
Schwarzen Mann!

 

Quellen und Literatur zum Thema in der VHG-Bibliothek:

Alfred Aust: Der Hamburger Kulturkreis um 1800 und seine Beziehungen zu Weimar. In: die Heimat, 82. Jg. 1975, Heft 9/10 – hier wird insbesondere das literarische und politische Umfeld von Claudius dargestellt (A XI 01/003)

Hans Jürgen Bendict: Matthias Claudius. Warum der Dichter den Mond besang und das Leben lobte (Hans Albrecht Koch: Matthias Claudius und Hamburg. In: ZHG, Band 63, 1977 (A I 2/198)

Franklin Kopitzsch: Matthias Claudius, der Wandsbecker Bothe. In: ZHG, Band 77, 1991 (A I 2/198)

Annelen Kranefuss: Mathias Claudius (A XI 07c/027)

Eckart Kleßmann: Der Dinge wunderbarer Lauf. Biografie. (A XI 07 c/70)

Michael Pommerening: Matthias Claudius (A XI 07c/71)

Matthias Claudius: Briefe (A XI 07 c/069)

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